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Legastheniker – Ein kleiner Einblick

Ich bin Legastheniker – Ein kleiner Einblick

Leben und Arbeiten mit einer Rechtschreibschwäche?
Abitur und Studium? Verantwortungsvolle Arbeit mit regelmäßigem Verfassen von Texten?
Das alles und noch mehr ist möglich.

 

Meine Rechtschreibschwäche hat sich besonders in der Realschule herauskristallisiert.
Als Kleinkind habe ich einen bemerkbaren Sprachfehler gehabt. Noch heute fallen mir bestimmte Worte von der Aussprache schwer, oder ich stolpere über meine Zunge.
Fremdsprachen lernen ist eine absolute Qual für mich. Dafür fallen mir andere Dinge ausgesprochen leicht, ich kann mit Zahlen sehr gut. Auch analytisches Denken, komplexe Systeme erfassen und zu verstehen liegt mir. Wenn ich mich nicht prinzipiell schwertun würde, meine eigenen Stärken zu benennen, könnte ich hier wahrscheinlich eine ganze Liste verfassen. Ein Punkt in meinem Leben, an dem ich arbeite.

Aber meine Rechtschreibschwäche ist auch seit Jahren ein Teil meines Lebens. Tatsächlich ist das verbreiteter als man denkt. Ich kenne nicht wenige Menschen, denen es auch so ergeht. Allerdings haben viele von meinen Bekannten nicht einen solchen Weg hingelegt.

Ich hatte das ausgesprochene Glück, dass sich meine Eltern eine teure Nachhilfe, direkt auf meine Bedürfnisse zugeschnitten, leisten konnten und mich zwei Mal die Woche hingeschickt haben.
In dieser Nachhilfe habe ich durch verschiedene Techniken gelernt, mit meiner Schwäche umzugehen. Durch Übungen, wie Silben erkennen und die Wörter zu zerlegen, oder es gedanklich erst einmal vorzusagen. Nach zwei Jahren intensiver Nachhilfe habe ich es in Rechtschreibung von der Note 5 auf eine 3 geschafft.
Das war ein hartes Stück Arbeit. Ein großes Problem für mich ist immer noch, dass ich meine eigenen Fehler nicht sehe. Es sei denn, ich lese den Text Tage später durch.
Und in Grammatik und Rechtschreibung bin ich nie so sicher, wie Leute ohne Rechtschreibschwäche. Tatsächlich habe ich im Abitur mit den zwei Punktabzügen wegen Rechtschreibung schon fest gerechnet.
Gerade, wenn es schnell gehen muss, häufen sich die Fehler an.

 

Ein Glück ist das im Studium nicht mit in die Bewertung eingegangen. Man muss dazu sagen, dass ich ein naturwissenschaftliches Studium abgelegt habe, in dem man auch sehr viele Berechnungen können musste. Glück für mich, dass ich mit Formeln und Zahlen ganz gut kann.

Ich bin mir bewusst, dass die Thematik ein präsentes Thema im Alltag ist. In der Beziehung muss man sich selbst reflektieren, einfach ehrlich zu sich selbst sein. Es hilft nicht, wenn man solche Dinge ignoriert. Das kann sich negativ auf die Arbeit auswirken.
Tatsächlich muss ich regelmäßig Texte oder Mails verfassen und diese auch direkt raus senden. Ob es sich um Mails, Newsletter, Nachrichten an Kollegen, Beiträge o.ä. handelt. In vielen verschiedenen Bereichen stelle ich mich jeden Tag dieser Herausforderung. In meiner Position gehört es auch mit zu meinen Aufgaben.
Ein Hoch auf die Rechtschreibprogramme. In der Regel überprüfe ich damit mein Geschriebenes. Beiträge versuche ich auch immer noch einmal gegenchecken zu lassen, bevor diese veröffentlicht werden.
Und ja, es können sich Fehler einschleichen. Aber soll ich euch was sagen?
Diese Fehler passieren anderen Leuten auch! Wenn es passiert, dann ist es halt so. Ich mach mich deswegen nicht fertig. Zu ändern ist es dann eh nicht mehr.

Und Leute jetzt mal ohne Mist, wem sind denn noch keine Flüchtigkeitsfehler unterlaufen?
In der Regel bin ich auf Arbeit so überlastet, dass ich staune, immer noch solch eine Qualität abliefern zu können.

Wichtig ist, dass man deswegen nicht verzweifelt, aufgibt und den Kopf in den Sand steckt.
Es gibt viele Arten von Schwächen, und für jede gibt es Methoden, damit umzugehen.
Man muss es nur wollen und den Arsch hochbekommen.

Ich sehe das Ganze tatsächlich relativ entspannt.
Ich schreibe gerne. Ich führe gerne meinen Blog. Ich verfasse meine Geschichten und hoffe diese irgendwann veröffentlichen zu können. Kreatives Schreiben macht mir Spaß. Klar, ich habe ein Handicap, das muss aber nichts Schlechtes sein. Warum sollte man sich kleiner machen, als man ist?
Ich wurde nicht zu einem Duckmäuser erzogen, und ich habe nicht vor, mich dahingehend zu entwickeln.


Es gibt natürlich auch immer wieder Menschen im Leben, die sich über den Fakt lustig machen.
Explizit wird dann nach einem noch so kleinen Fehler gesucht. Da ist es egal, ob das einfach ein Tippfehler ist, oder übersehen wurde. Sie versuchen mit aller Kraft dich in irgendeiner Form zu treffen und sich darüber lustig zu machen. Diese Sorte Menschen begleiten einen immer im Leben, auf die eine oder andere Weise. Wir kennen sie alle, in verschiedenen Bereichen unseres Lebens. Aber hey, sie gehen auch wieder. Das schöne ist, niemand ist unfehlbar. 😉
Ich lass mich davon weder verunsichern, noch nehme ich mir das zu Herzen. Wenn das der Lichtblick in deren trostlosen anscheinend unglücklichen Leben ist, sollen Sie machen.
Ich helfe wo ich kann, hoffentlich geht es Ihnen danach besser und es hat Ihnen etwas Freude im Leben gebracht.
Ich habe vor langer Zeit gelernt, mich von solchen Charakterzügen nicht beeindrucken zu lassen und ich werde meinen Weg so weitergehen. Ich habe viel zu viel Spaß am Schreiben, als das ich mir das vermiesen lassen würde. 

 

Falls euch das Thema interessiert und Ihr mehr darüber lesen wollt, schreibt mir gerne eine Nachricht.

 

 

 

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